Übersicht

"Ich bin schwul, na und?" Bis man endlich soweit ist, diesen Satz seiner Umwelt selbstbewußt zu äußern kann es manchmal ein langer Weg sein. Mit dem was ich hier schreibe, möchte ich allen, die für sich entdeckt haben anders zu sein, Mut machen, sich nicht verstecken zu müssen. Gut, man muß ja nicht gleich ein Schild mit jener Botschaft um den Hals tragen. Aber ich habe gelernt, das es sich besser leben läßt, wenn man darüber reden kann und kein Versteckspiel gegenüber Bekannten und Verwandten abhalten muß.

Also wie war das bei mir? Wenn ich zurückblicke, dann merke ich, das ich sehr früh schon homosexuelle Fantasien hatte. Zunächst war es der knuffige Schauschpieler aus der Samstagsserie, dann ein Schüler aus der Oberstufe... Aber selbst den Gedanken zu fassen das es sich dabei um schwule Fantasien handelt hatte ich nicht gehegt. Warum auch? Für mich war das normal so.

Es dauerte recht lange bis ich soweit war diese Tatsache für mich zu realisieren. Aber dann ging alles recht schnell. Zunächst hatte ich eine Diskussionsgruppe in der Maus-Mailbox zu dem Thema angeschaltet und mitgelesen. Als ich dann bemerkte das dort der ein oder andere auch diese oder jene Angst beim "Coming Out" hatte, machten die Gespräche dort Mut. Der nächste Schritt war dann in eine Coming-Out-Gruppe zu gehen. Mein Problem war nur, das meine Mutter dann doch etwas stutzig wurde, wo ich den nun so regelmäßig hinginge, da ich nicht der Partytyp war. So kam es dann das meine Mutter 1+1 (aus dem lokalen Veranstaltungskalender) zusammenzählte und etwas kräftiger bohrte wo ich den nun immer hinginge. Da war es also raus.

Dann gab es die vielen Bücher die man verschlang, um mehr Informationen zu bekommen (sowohl ich, als auch meine Mutter). Wobei ich da die ersten kleinen Diskriminierungen ausmachen konnte. In der Bibliothek waren die Bücher unter "Psychologie" zu finden - als ob Schwul sein eine psychologische Sache sei. Und in den Buchhandlungen waren sie in einer kleinen Ecke versteckt worden, so das man sie faßt als Abrechnungsbücher hinter dem Tresen verstehen könnte - bloß nicht frei zugänglich machen.

Mein Bekanntenkreis habe ich dann nach und nach mitbekommen lassen, was Sache war. Ich habe dabei keine Enttäuschung erleben müssen. Es kann natürlich immer jemand dabei sein, der sich infolge dessen abwendet. Aber man muß sich klar machen: Wenn er oder sie das tun, dann war es die Freundschaft nicht Wert. Schließlich ist es meine (sehr intimte) Privatsache wen ich liebe oder mit wem ich ins Bett steige.

Wer nun vielleicht noch eine Frage hat, oder irgendetwas zum Thema Coming-Out wissen möchte kann natürlich gerne schreiben.

© 2000-2004 Hallmann